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Glees, ein Dorf am Laacher See

Funde aus vorgeschichtlicher und römischer Zeit weisen darauf hin, dass entlang des Gleesbaches schon sehr früh Menschen gewohnt haben müssen. Außer Gräbern und anderen Fundstücken haben sie uns aber keine weiteren Daten hinterlassen. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass unsere engere Heimat schon zur jüngeren Steinzeit bewohnt war. Im Jahr 1909 wurden unterhalb von Glees in der „Mauerley“, als hier eine Steinbruch angelegt werden sollte, Geräte aus der jüngeren Steinzeit gefunden.

SteinbeilNeben einem Steinbeil, das sorgfältig poliert und sehr scharf war, wurden auch Tongefäße und zahlreiche Tonscherben gefunden. Die Gegenstände können heute im Eifelmuseum in Mayen und im Landesmuseum in Bonn besichtigt werden. Steinwerkzeuge und Tongefäße fanden sich in einer Schicht aufgeschwemmten Materials zwischen den aufrechtstehenden mächtigen Basaltlavasäulen. Es ist anzunehmen, dass die Sachen zur Zeit eines Hochwassers hierhin geschwemmt wurden.

Auch fanden sich an genannter Stelle zahlreiche Knochen, darunter Zähne von gewaltiger Größe. Auch Holzkohle wurde als solches einwandfrei festgestellt. So ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, dass in der Nähe Opferplätze unserer heidnischen Vorfahren gewesen sind.

Die umliegenden Höhen waren früher bewohnt als das Gleesbachtal, in dem der Ort Glees liegt. Der Gleesbach, der wohl anfangs einen See im heutigen „Heulenbruch“ gespeist hat, hat sich im Laufe von Jahrhunderten ein sogenanntes Erosionstal geschaffen, wo später die Lavaströme des Dachsbusches und Veitskopfes zusammentrafen.

Ausschnitt UrkundeIn welcher Zeit sich der Ort entwickelt hat, ist aufgrund fehlender urkundlicher Angaben nicht mehr zu ermitteln. Die sicher sehr zahlreichen Urkunden der Abtei Maria Laach gingen bei der Aufhebung des Klosters im Jahre 1802 verloren. Urkundlich wird Glees unter dem Namen „Glenße“ zuerst in einer Bulle von Papst Innozenz II. aus dem Jahr 1139 erwähnt. In ihr wurden Besitztümer von einem gewissen Falcold von Brule auf die Abtei Laach übertragen.

Im Jahr 1269 schenkten Heinrich Suiz und sein Sohn Heinrich, Ritter zu Kempenich, der Abtei Maria Laach ihren Hof zu Glees. Bereits im Jahre 1266 erkannte die Gemeinde Glees die Pfarrei Wehr, als ihre Mutterkirche an.


Die weltliche Herrschaft hatten die Herrn von Burgbrohl in den Händen. In einer Urkunde von 1476 nahm Glees den Junker Georg von der Leyen, Herrn zu Olbrück zu ihrem Schirmherrn an. Aus diesem Schriftstück geht auch hervor, dass die Gemeinde damals sehr klein war und nur aus acht Familien bestand (siehe Auszug). Es wurde eine wechselseitige Verpflichtung eingegangen. Georg von der Leyen verpflichtete sich, die Gemeinde Glees zu beschützen und zu beschirmen. Dafür erklärten sich die Einwohner bereit, ihm jedes Jahr vierzehn Malter Hafer und zwei Weidhämmel nach Saffig oder Olbrück zu liefern.

Kirche in GleesAuch die von Brohl hatten Besitzungen in Glees, welche durch Erbschaft an die von Bourdscheids zu Burgbrohl kamen. Bereits 1475 wird von einer dem hl. Brictius geweihten Kapelle in Glees berichtet, in der ab 1656 regelmäßig an Sonn- u. Feiertagen die hl. Messe gefeiert wurde. Um 1689 wurde an der Kirche ein eigener Friedhof errichtet.

In langwierigen Verhandlungen über den Neubau, bei denen es laut Protokollen zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern der Mutterkirche in Wehr und den Gleesern kam, dauerte es bis 1753 ehe es zum Neubau des Gotteshauses kam. Dies jedoch unter Beibehaltung des alten Glockenturmes. Die älteste Glocke stammte aus dem Jahre 1785 und musste, wie die zwei anderen Glocken 1941 zu Kriegszwecken abgeliefert werden. Selbst vor geweihten Gegenständen hatte das damalige Regime keinen Respekt.



geschichte 0003 alte gleeser schuleWann es in Glees den ersten Unterricht gab ist nicht mehr genau festzustellen. Im Jahre 1622 forderte der Erzbischof Lothar von Metternich, der selbst eine gute Ausbildung bei den Jesuiten erhalten hatte, eine Pfarrschule für jede Pfarrei. Diese Notwendigkeit schienen auch die Steinfelder Mönche erkannt zu haben. So soll der Kaplan Gerhard von Lobberich bereits mehrere Jahre Kinder unterrichtet haben. Es war damals sehr schwer eine geeignete Lehrperson zu finden.

Das Einkommen der Lehrer, ihre Ausbildung, ihre soziale Stellung wie auch die äußeren Schulverhältnisse waren sehr schlecht. Meist wurde nur Lesen, Rechnen, Schreiben und Katechismus gelehrt. Mangels geeigneter Bewerber kam es in den Dörfern schon mal vor, dass der Schweinehirte auch das Amt des Lehrers inne hatte. Im Jahre 1697 wurde z.B. gegen den Lehrer von Wehr, der wohl auch die Gleeser Kinder unterrichtete, die Klage vorgebracht, dass er nur lesen könne.


SchulklasseIm Jahre 1779 besuchte der Schulkommissar von Trier die hiesige Gegend. Über Glees schrieb er: „Zu Glaiß einer Filiale sind 6 Kinder, die einen besonderen Schulmeister haben“. Wo der Unterricht zu der Zeit stattfand, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

Ab 1785 besuchten die Gleeser Kinder eine Zeitlang sowohl die Schule in Burgbrohl als auch die in Wehr.

Nachdem das Rheinland zu Preußen gekommen war, stellte die Gemeinde Glees 1828 den Antrag zur Errichtung einer Schule. Diese wurde 1832 in der heutigen Laacher Straße fertiggestellt. In ihr wurden in dem Jahr 49 Kinder unterrichtet.



ÜbersichtskarteVor der französischen Besetzung 1794 stand Glees unter der Herrschaft des Freiherrn von Bourdscheid. Glees zahlte seine Abgaben an die Kaiserliche Kammer nach Köln, oder auf Weisung des Herrn von Bourtscheid an die Ritterschaft zu Koblenz. Die Einwohner waren, wenn auch in gemilderter Form, leibeigene Untertanen. Beim Abzug mussten sie der Herrschaft ein unbestimmtes Lösegeld entrichten, wie auch den „Zehnten“ ihres ausgehenden Vermögens. Beim Tod hatte der Herr das Recht, sich ein Pfand zu nehmen. Bei einem Verkauf an Fremde hatte die Herrschaft ein Abtriebs- oder Näherecht.

Die Gerichtsbarkeit „Civil- und Criminalgerichtsbarkeit“ wurde nach „Römischen Recht“ ausgeübt. Die Berufung ging an das Reichskammergericht zu Wetzlar. Während der französischen Herrschaft gehörte die hiesige Gegend dann zum Rhein- und Moseldepartement, welches in Kantone aufgeteilt war. Glees mit Laach gehörten zum Kanton Wehr.

Der eigentliche Stifter dieser kommunalen Ehe zwischen Glees und Laach war Napoleon. Mit der „Terra Palatina“ – dem Palzgrafenland, der heutigen Pellenz – verfügte Napoleon um 1793, das die Abtei Maria Laach fortan zu Glees gehören sollte. Im Nachhinein war die Verbindung für Glees und für Maria Laach eine glückliche Entscheidung.

Karte 1843 - 18781815 wurde die Gegend dann an Preußen abgetreten und die Verwaltung durch Einteilung in Bezirke und Kreise neu organisiert. Bei einer neuen Kreiseinteilung wurden dem hiesigen Kreis aus der ehemaligen Bürgermeisterei Wehr die Ortschaften Glees, Brenk und Galenberg zugeteilt. Bereits 1816 erfolgte dann eine neue Einteilung der Kreise und die Gemeinden Wehr, Glees, Brenk und Galenberg wurden der Bürgermeisterei Burgbrohl zugeschlagen. Burgbrohl war fortan die geistige Metropole des Brohltals und Glees gehörte mit der damals verwaisten Abtei Laach zu diesem Verbund.


Die direkte seelsorgerische Versorgung der katholischen Bevölkerung erfolgte seit jeher meist durch Laacher Ordenspriester. In der Frühzeit waren es die Prämonstratenser und ab 1863 die Jesuiten. Philipp Menschenmoser war nachweislich der erste Jesuit, der in Glees als Seelsorger wirkte. Seit Wiederansiedlung der unter Napoleon aufgelösten Benediktinerabei 1893 und bis in die jüngste Zeit haben dann die Laacher Patres das Wort Gottes in Glees verkündet. Noch heute erinnern sich die alten Gleeser Einwohner gerne an die Patres Longard, Hopmann, Ammann, Pütz, Hironymus , Polykarp, Johannes oder Pater Gabriel, der wegen seiner langen seelsorgerischen Tätigkeit im Ort humorvoll „Bischof von Glees“ genannt wurde. Heute liegt der Dienst größtenteils in den Händen von Pfarrer Bollig.